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Die WASAG Reinsdorf (Für grössere Bilder bitte anklicken)
Die Geschichte des Unternehmens im Wandel der Zeit im besonderen Hinblick auf die rüstungspolitische Bedeutung
Entstehungsgeschichte
Das Schießpulver (resp. Schwarzpulver) war schon im alten China bekannt. Zu dieser Zeit verwendete man es jedoch fast ausschließlich für Feuerwerke. Im 14.Jh.
hielt dann das Schießpulver auch in weiten Teilen Europas Einzug. Bis zum Anfang des 19.Jh. war dann jedoch ein Stillstand in der Entwicklung bzw. Weiterentwicklung der Sprengtechnik zu verzeichnen. Mitte des 19. Jh. wurde
durch den Chemiker Ascanio Sobrero das Nitroglyzerin und durch Chemiker Friedrich Schönbein die Schießbaumwolle erfunden. Dies bildete die Grundlage für die epochale Entdeckung von Alfred Nobel - das Dynamit.
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Die WASAG Mitte der 20er Jahre
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In der Folge dieses Umstandes wurde fast die ganze Sprengstoffindustrie durch einen Konzern, die engl. „Nobel Dynamite Trust Co“ kontrolliert.
Dieser Konzern beherrschte durch seine Aktienmajorität bei allen führenden Sprengstoffherstellern die Preis und auch die Qualitätsnormen der hergestellten Sprengstoffe.
Am 20. November 1891 erfolgte dann eine Gegenreaktion auf diese Monopolstellung: Die „Westfälisch-Anhaltinische Sprengstoff Actien-Gesellschaft“ wurde unter
der Federführung eines Herrn Dr. Bielefeld in Düsseldorf gegründet. Das Grundkapital der WASAG belief sich auf -damals schon erhebliche- 1,2 Mill. Mark. Zum Ziel hatten sich die Gründungsmitglieder, unter denen sich
bekannte Industrielle wie Hugo Stinnes, Gustav Poensgen und Hugo von Gahlen befanden, gesetzt:
- 1. Herstellung von Explosivstoffen und Sprengmitteln, sowie den dazu benötigten Rohstoffen aller Art, Handel mit denselben, mit den
hergestellten Rohprodukten und den wiedergewonnenen und weiterverarbeiteten Abfallprodukten.
- 2. Erwerbung / Pachtung und Errichtung von Anlagen jeder Art, welche zur Erreichung der vorgenannten Zwecke erforderlich oder dienlich sind.
Der Sitz der Aktiengesellschaft war in Coswig/Anhalt. Die Konzession zum Bau eine chem. Fabrik in Coswig erging aber bereits am 03.06.1891 an den
Chemiker A.Bischof, welcher sie dann sofort auf Dr. Bielefeld übertragen ließ.
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Munitionsbunker des Abnahmekommandos.
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Siehe links. Hier wurde ebenfalls erfolglos gesprengt
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Der Standort Coswig/Anhalt wurde aufgrund seiner guten infrastrukturellen Lage gewählt. Das mitteldeutsche Braunkohlenrevier, sowie der Mansfelder Kupferbergbau
waren nicht weit entfernt, und man erhoffte sich hier natürlich enormen Absatz. Weiterhin spielte natürlich auch die gute verkehrstechnische Anbindung, die Nähe zur Elbe und zu 2 Hauptstraßen von Ost nach West und
von Nord nach Süd, eine bedeutende Rolle. Sofort nach Gründung der WASAG begann man mit der Errichtung der ersten geplanten Dynamit-Fabrik in Coswig. Es kam aber leider in der Folge zu
ernsthaften Auseinandersetzungen mit benachbarten Fabrikanten, der preuß. Bahnverwaltung und dem Magistrat von Coswig. 1892 wurde der Weiterbau seitens des anhalt. Staatsministeriums gestoppt. Begründet wurde dies mit
der Nichtanerkennung von Konzessionen aus anderen deutschen Staaten. Vorsorglich sicherte sich die WASAG jedoch Grund und Boden auf naheliegendem preuß. Staatsgebiet, in Reinsdorf, einer kleinen Gemeinde
nahe Wittenberg. Gelegen an der Grenze zu Anhalt, da nicht absehbar war, wie dieser Streit ausgehen würde.
Im Gegensatz zur anhalt. Staatsregierung erkannte die preuß.Staatsregierung
die große wirtschaftliche und wehrpolitische Bedeutung einer solchen Fabrik. Am 06.04.1894 erteilte dann die preuß. Staatsregierung die Genehmigung zur Errichtung einer Sprengstofffabrik in Reinsdorf, mit dem
Bau wurde sofort begonnen.sämtliche Anlagen aus dem Werk Coswig wurden nach Reinsdorf verlagert und nach nur einem ¾ Jahr, begann die Produktion in der Dynamit,- sowie Ammonsalpeteranlage.
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Ehem. Lagerbunker des ARI-Abnahmekommandos
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Ehem. Waschhaus eines Ölberges von Innen
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Ende 1896 waren dann auch weitere Pulveranlagen, sowie der Gleisanschluß zur preuß. Staatsbahn fertiggestellt. Auch war es der WASAG nun gelungen,
weiträumiger im militärischen. Sektor Fuß zu fassen. Bisher wurde nur ARI- Munition hergestellt, wofür seit 1898 Aufträge vom preuß.Kriegsministerium vorlagen. Voraussetzung hierfür waren jedoch Schießstände und
Untersuchungseinrichtungen, wie z.B. in Berlin-Spandau. Seit 1902 gab es dann auch schon eine Hülsenzieherei, eine Sprengkapsel,- sowie eine Knallquecksilberanlage und die Produktion von Jagdpulver /
Jagdpatronen wurde aufgenommen Ab 1905 produzierte man dann auch schon Trinitrotuluol ( TNT / FP 02 ). Die Produktpalette wurde dann auch bis zum 1. WK nicht mehr erweitert.
Sie umfaßte bis dato:
a) Im zivilen Sektor
- -Gelantine-Dynamit
- -Wittenberger Wetter-Dynamit
- -wettersicheres Gelantine-Dynamit
- -Westphalit
- -Petroklerit ( Holoklastit )
- -Sprengkapseln und Zündschnüre
Mit Beginn des 1. WK wurde, wie auch in anderen Rüstungsbetrieben, im 2-Schichtsystem gearbeitet und alle Anlagen kriegsbedingt erweitert.
Dies erforderte natürlich auch eine höhere Anzahl von Arbeitern und Arbeiterinnen, welche teilweise von sehr weit her kamen. Somit mußte neuer Wohnraum geschaffen werden, Barackenlager und mehrere
Siedlungen wurden errichtet. Auch ein Ärztehaus mit OP-Saal und ein Kino standen mit auf dem Bauprogramm. Ab 1915 begann man mit der Produktion von Nitroglyzerinpulvern ohne
Lösungsmitteln, Hexanitrodiphenylamin -alternativ auch Tetryl. Nach dem 1. WK wurden große Teile der militärischen Anlagen für die zivile Nutzung vorgesehen, vorwiegend für die Celluloidproduktion.
Am 20.05.1921 setzte die alliierte militärische Kontrollmission im Londoner Ultimatum den Umfang der dt. Rüstungsproduktion fest. Die WASAG Reinsdorf wurde, auf Grund der umfangreichsten
Produktionsmöglichkeiten, zum alleinigen Sprengstoff und Pulverlieferanten der Reichswehr bestimmt. 1924 wurde eine Celluloid-Anlage errichtet und die
Nitrocelluloseherstellung auf Lacke und Filme spezialisiert, bzw. erweitert und verbessert. Ab 1929 verfügte die WASAG Reinsdorf über Produktionsmöglichkeiten für fast
alle Arten von Sprengstoffen, Sprengkapseln, sowie milit. Sprengstoffe und Pulver, aber auch über Anlagen zur Herstellung von Nitrocellulose, Lackwolle und Celluloid.
Im Rahmen der Aufrüstungspolitik unter dem Naziregime wurde ab 1935 die Produktion von Nitropenta aufgenommen. 1935 kam es dann zu einem folgenschweren Unglück in der TNT - Anlage, welche vollständig zerstört wurde.
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Nebengebäude des grossen Verwaltungsgebäudes
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Ehemaliges Casino
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Hierbei kamen nach Schätzungen etwa 90 Personen ums Leben, die genaue Anzahl wurde nie richtig ermittelt.
In Mitleidenschaft gezogen wurden bei der Explosion ebenfalls die Ölberge I u.II, und eines der großen Nitroglyzerinpulvermagazine, die TNT - Anlage sollte nie wieder aufgebaut werden.
Als Ersatz dafür baute man in kürzester Zeit eine TNT - Anlage in Elsnigk bei Torgau auf. Hierauf wird eventuell in einem folgenden Teil näher eingegangen. Das Gelände der ehemaligen TNT-Anlage wurde später z.T. durch die
Artillerie-Leuchtspur Anlage genutzt, welche dort ab 1936 ihre Produktion aufnahm. 1942 wurde dann schließlich noch eine Anlage zur Herstellung von Nitroguanidin errichtet.
1943 kam es dann zu einer sehr einschneidenden rechtlichen Änderung in der Firmenpolitik der WASAG. Der milit. Produktionsbereich wurde vom zivilen getrennt, der zivile
Betriebsteil wurde der Wasag-Chemie AG unterstellt, der milit. Betriebsteil verblieb bei der WASAG selbst. Zur besseren Unterscheidung wurde der militärische Teil auch Westfalit genannt.
Die WASAG Reinsdorf war in der Zeit des 2. Weltkrieges eines der bedeutendsten, wenn nicht sogar der bedeutendste Sprengstoff-Hersteller des dt. Reiches. Belegschaftszahlen in einer Akte des
Reichswirtschaftsministeriums vom 30.01.1944 geben eine Zahl von 10.075 Personen an (hiervon waren allerdings 2.680 Häftlinge, Kriegsgefangene und Ostarbeiter).
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Ehem. Eingang zur unterirdischen Abteilung des Ölberges
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Ehem. Durchgang zwischen zwei Produktionseinheiten
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Die Grundfläche des Betriebes in Reinsdorf wird mit 3.100.772 m2 insgesamt, und einer bebauten Fläche von 230.817 m2 angegeben. Andere Zahlen sprechen
auch von nahezu 12.000 Mitarbeitern in Spitzenproduktionszeiten . Die Anzahl von alleine 2.000 Gebäuden zum Ende des 2. Weltkrieges lässt nur ansatzweise die Größe dieses Werkes erahnen.
Die Verbindung mit anderen Firmen, die Gründung von immer mehr Tochtergesellschaften ( DSC ), der Ankauf von Aktien anderer Gesellschaften ( Dynamit-Nobel AG ) und die Übernahme von kleinen Betrieben vergrößerten
natürlich auch das schon enorme Produktionspotenzial der WASAG erheblich. Die Suche nach immer besseren, wirkungsvolleren und handhabungssichereren Sprengstoffen ging natürlich neben der normalen Produktion einher. Die
Forschung wurde im Hinblick auf die Raketenforschung sehr angetrieben. Hierfür wurden sehr viele staatliche Mittel zur Verfügung gestellt. Wernher von Braun war sehr oft in Reinsdorf, um die Ergebnisse und Fortschritte zu
ermitteln, die hinsichtlich von Antriebsmöglichkeiten für Raketen gefunden wurden. Ein separates Labor für diese Forschung sowie ein Betonturm für die Tests von Triebwerken waren vorhanden. Aber auch die Forschung zu
hochbrisanten Sprengstoffen (Hexogen), Versuche zur Herstellung von rauchlosem Pulver, zur Herstellung von Infanterie-u.Artillerie Lichtspurmunition, sowie die Entwicklung von Wurfgranaten aller Art und
deren Abschußvorrichtungen, hatten einen sehr hohen Stellenwert.
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Unterirdischer Lagerbunker auf dem Gelände der TNT Anlage
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Schutzwall einer Produktionseinheit mit LKW Durchfahrt
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Nach dem 08.Mai 1945 begann man Seitens der russischen Besatzungsmacht, das Werk gemäß Potsdamer Abkommen völlig zu demontieren. Die Maschinen wurden
als Kriegsreparationen gen Osten abtransportiert und russische Pioniereinheiten sorgten dafür, daß kein Stein auf dem anderen blieb. Die Sprengungen erfolgten jedoch recht planlos, die Hauptsache war, daß niemand
mehr irgend etwas in den Gebäuden dieses Werkes produzieren konnte. Auch die Bevölkerung tat im weiteren Verlauf ihr übriges und entfernte den größten Teil der noch vorhandenen Bausubstanz, um diese wieder zum
Neuaufbau der im Krieg zerstörten Häuser verwenden zu können. So kam es dann, wie es kommen mußte, Altlasten blieben bis heute zurück, das Gelände kann bis heute aufgrund der bestehenden Bodenverseuchung, nur
auf sehr kleinen Teilen wieder genutzt werden. |